Ziele der Initiative

(Auszug aus der Begrüßungsrede von Dr. Karlheinz Weiß, Geschäftsführer der X2E GmbH am 14.06.2008 anlässich der Abschlussveranstaltung des ersten Pilotjahrganges der IGS im Entwicklungszentrum der X2E GmbH in Kandel)

Die Initiative "Hightech-Ausbildung - oder Früher Einstieg in die berufliche Praxis-" warum haben wir dieses Pilotprojekt mit der Integrierten Gesamtschule (IGS) in Kandel gestartet?

Wer die Presse und Medienberichte der letzten Tage verfolgt hat konnte lesen:
  • 57% der Hauptschüler haben 6 Monate nach dem Schulabgang noch keine Lehrstelle,
  • 40% davon haben nach 30 Monaten immernoch keine Lehrstelle.
  • Das Handwerk behauptet: "25% der Jugendlichen seien überhaupt nicht ausbildungsfähig, da sie weder lesen noch schreiben könnten - versagt hätten Elternhaus und Schule."
  • Auch die X2E GmbH, ein auf Hochtechnologie orientiertes mittelständisches Unternehmen, ist seit 2 Jahren auf der Suche nach geeigneten Schulabgängern für eine Ausbildung zum "Elektroniker(in) für Geräte und Systeme".
Die von der X2E GmbH und der IGS gestartete Initiative "Hightech-Ausbildung - oder Früher Einstieg in die berufliche Praxis-" hat sich zum Ziel gesetzt einen Beitrag zu leisten um diesen Widerspruch aufzulösen. Gemeinsam mit Eltern und Lehrern wollen wir frühzeitig bereits in der 8.Klasse in die Schulen gehen um Schüler anzusprechen, sie für Technik zu motivieren - vielleicht sogar zu begeistern - und der Schule geeignete praxisgerechte Lerninhalte sowie die dazu notwendigen Mittel bereitstellen.
Zusätzlich wollen wir Lehrer bei Ihrer Arbeit unterstützen, indem wir mit eigenen Ausbildern in der Schule präsent sind um auch für die Schüler frühzeitig (nicht erst in der Abgangsklasse) betriebliche Abläufe wie Pünktlichkeit, Gründlichkeit, Zuverlässigkeit und Teamfähigkeit zu vermitteln. Nach dem Einstieg in der 8.Klasse wollen wir die Schüler in Ihrer Entwicklung bis in die 10. Abschlussklasse fachlich wie auch sozial begleiten.

Warum tun wir das aus Sicht eines mittelständischen Unternehmens ?

Ein auf Hochtechnologie orientiertes mittelständisches Unternehmen braucht den qualifzierten Facharbeiternachwuchs. Dabei wollen wir wegkommen vom "Fingerzeigen" wer Schuld hat wenn junge Menschen bei Ihren schulischen Leistungen Probleme haben. Weil das so ist - hilft kein Jammern und Schimpfen und auf die Schule oder das Elternhaus, sondern die aktive Mitarbeit der Industrie zur Lösung dieses elementaren Zukunftsproblemes unserer Gesellschaft. Ziel ist es fachlich wie sozial qualifizierte Schulabgänger zu bekommen - und diese nicht nur den Großunternehmen zu überlassen.

Kurzfristige Ziele der Initiative:

Wir laden weitere Unternehmen ein, sich mit Know-How und Ausbildern an der Initiative zu beteiligen. In diesem Zusammenhang danken wir Herrn Maurer von der Firma WEPTECH, dass er an der Abschlussveranstaltung bereits teil genommen hat.
Zusätzlich wollen wir unseren Einstiegskurs in der 8.Klasse im neunen Schuljahr an der IGS wiederholen und einen Aufbaukurs für die 9. und 10. Klasse anbieten. Die IGS wird dabei immer die Pilotschule bleiben, wir sind aber auch offen für weitere Schulen im Umkreis, die sich an der Initiative beteiligen wollen. Dazu wird es nach den Sommerferien am 20.09.2008 ein Treffen der Vertreter aus Schule, Industrie und Politik im Entwicklungszentrum der X2E GmbH in Kandel geben.

Was ist der wesentliche Kern der Initiative:

Wenn man sich als junger Mensch für Technik interessiert - vielleicht sogar begeistern kann - und man Schule als Chance und Sprungbrett ins Berufsleben begreift - und nicht nur als tägliche Last empfindet - und man natürlich hart an sich arbeitet, dann kann man es schaffen alles zu erreichen - und sogar seinen Traumberuf wahr werden zu lassen.
Ich bin davon überzeugt, dass dieser Weg für jeden, unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten der Eltern, in unserer Gesellschaft NOCH möglich ist. Diese Tatsache muss der Jugend wieder neu vermittelt werden und wir wollen diese Chance oder das Sprungbrett für junge Menschen sein.

Was ist die Vision?

Unsere Frau Bundeskanzlerin Dr. Angelika Merkel hat in dieser Woche die Bildungsrepublik ausgerufen! In der Tat - unser wirtschaftlicher und sozialer Standard in der Gesellschaft hängt ganz wesentlich davon ab, ob wir die technologischen Herausforderungen in einer globalen Welt gegen neue Spieler am Markt wie China oder Indien bestehen können. Diesen Wettbewerb kann die deutsche mittelständische Hightech-Industrie nur über die "Köpfe" und somit mit qualifiziertem Nachwuchs gewinnen. Wir können es uns nicht leisten, auch nur auf ein einziges junges Talent zu verzichten, egal welche finanziellen Fördermöglichkeiten die Eltern zusätzlich zur Schule haben. Das heißt, auch ärmere und sogenannte Schüler aus "bildungsferneren Schichten" müssen optimal gefördert werden, und zwar frühzeitig (heute in der 8.Klasse) und nicht erst nach dem Schulabgang. Dann ist meistens das "Kind schon in den Brunnen gefallen".

Mittel- und langfristig müssen wir die Förderung noch früher einsetzen lassen, über die Grundschule hinaus zurück bis in den Kindergarten. Maßmahmen sind im wesentlichen neben der sprachlichen Förderung (insbesondere bei Kindern mit Migrationshintergrund) auch sportliche oder künstlerische Unterstüzung der Eltern bei der Erziehung und Entwicklung ihrer Kinder. Deshalb muss der Kindergarten für alle kostenfrei werden, um insbesondere Eltern mit kleinerem Einkommen eine Hilfestellung zu geben, ihre Kinder optimal auf die Schule vorzubereiten. Ich bin davon überzeugt, dass über eine "Karriere" in der Zukunft schon im Kindergarten entschieden wird, und nicht später an der Universität. Kinder, die im Kindergarten nicht gleiche und optimale Förderbedingungen haben, werden diesen Rückstand in der Regel in der Grundschule und danach nicht wieder aufholen können und so nie an die Universität gelangen.

Diese Maßahmen werden dem Staat und der Industrie Geld kosten, aber ich bin davon überzeugt das jeder Euro den wir hier in die frühe Jugend investieren besser angelegt ist als Fördermaßahmen zur Eingliederung ins Berufsleben bis weit nach dem Schulabgang.

Kandel, den 14. Juni 2008
Dr. Karlheinz Weiß